Dislike social media

Software zur Totalüberwachung mit Prognosefunktion vorgestellt

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Gute Gründe, sich von „social media“ fern zu halten, gab und gibt es unzählige. Der Schutz der Privatsphäre durch die Betreiberfirmen ist grauenhaft, die Geschäftsbedingungen von facebook, twitter und Co. erinnern an Generalermächtigungen — alles schon lange bekannte Tatsachen. Man kann diesen Umstand auf eine einfache Formel bringen: Wenn das vorgebliche Produkt kostenlos ist, ist die Kundin und der Kunde selbst das Produkt.

Bei einigen social media sind Systematik und Benutzerführung zu allem Überdruss ein undurchschaubares Labyrinth. Man sieht der Software an, dass sie konzeptlos mit heißer Nadel zusammen gestückelt wurde. So kam ich bereits vor einiger Zeit zu dem Schluss, dass facebook aus Programmierersicht die schlechteste Software ist, die mir jemals unterkam. So weit, so schlecht.

Nun hat der US-Rüstungskonzern Raytheon eine Software entwickelt, mit der es möglich ist, social media systematisch auszuwerten: Data mining ist das Fachwort dafür. Mit diesem bezeichnenderweise „Riot“ genannten Programm ist es Sicherheits- und Militärbehörden (und natürlich auch Firmen, die in diesem Bereich tätig sind) möglich, Bewegungs- und Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Der Clou dabei ist die Verknüpfung von Informationen über Zielpersonen aus mehreren Quellen wie z.B. facebook, twitter, google+. Außerdem werden auch Metadaten von hoch geladenen Fotos ausgewertet: Kameramodell, Datum, GPS-Daten usw. Damit lässt sich penibel nachvollziehen, wann sich die Zielperson wo aufgehalten hat. Orwells düstere Visionen wirken im Vergleich dazu geradezu hemdsärmelig.

Der Hauptzweck von „Riot“ dürfte aber in der Fähigkeit des Programms liegen, zukünftiges Verhalten voraus zu berechnen. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was dieses Werkzeug in Zeiten des Drohnenkriegs bedeutet. Zeiten, in denen Personen, die unter Terrorverdacht geraten, ohne jede gerichtliche Kontrolle allein aufgrund von Regierungsbeschlüssen getötet werden. Auch über die Skrupellosigkeit westlicher Firmen, Überwachungstechnik an Diktaturen zu liefern, ist schon viel berichtet worden. So lieferte z.B. Siemens Telekommunikationsüberwachungssoftware in den Iran, mit der dort — allen Krokodilstränen zum Trotz — das Internet zensiert und die Opposition überwacht und daran anschließend Repressalien ausgesetzt wird. (Siehe auch Fußnoten [1] und [2].)

Man kann es nicht oft genug sagen: Wer fleißig seine social media-Konten füttert, ist gläsern. Das gleiche gilt für alle mit einer überwachten Person in social media verknüpften Kontakte.
Vorratsdatenspeicherung, Telefon-, Post- und Personenüberwachung werden mit „Riot“ zum netten Beiwerk einer Totalkontrolle degradiert.

Quellen:


[1] Zensur im Internet: Deutsche Firma verkauft Späh-Software, Frankfurter Rundschau, 12.3.2013
[2] Sicherheitsfirmen weisen Schnüffel-Vorwürfe zurück, Frankfurter Rundschau, 12.3.2013

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